Wirtschaft mit Wachstum?

Während die verantwortlichen Politiker sich noch auf die Schultern klopfen, weil die Arbeitslosigkeit leicht zurückgegangen ist, betrachten anerkannte Wirtschaftsfachleute die heutige Situation etwas nachdenklicher.

Durch Wachstum im Export hat Deutschland eine Verbeserung der wirtschaftlichen Situation erreicht, die sich auch auf dem Arbeitsmarkt auswirkt. Doch noch immer hinkt die Binnennachfrage in der Entwicklung nach. Wirtschaft lebt vom Vertrauen der Konsumenten. Solange noch Firmen mit EU-Fördergeldern in Billiglohnländer umgesiedelt werden, ist keine echte Arbeitsplatzsicherheit vorhanden. Wenn der eigene Arbeitsplatz noch in Gefahr ist, werden Kaufentscheidungen noch hinaus geschoben.

Ebenso wird am Urlaub gespart. Die Nutzungszeit des vorhandenen Autos wird länger als bisher ausgedehnt. Es liessen sich viele Gesichtspunkte anführen, wie mangelnde Arbeitsplatzsicherheit sich negativ auf wirtschaftliches Handeln auswirkt. Wirtschaftspolitik ist zum grossen Teil Psychologie. Wo sind die Politiker, die dem Verbraucher wieder Vertrauen in die Wirtschaft vermitteln können? Für weiteres Wachstum in der Wirtschaft sind auch staatliche Investitionen in die Infrastruktur erforderlich. Solange öffentliche Finanzmittel zum grössten Teil zur Schuldentilgung Verwendung finden müssen, ist eine antizyklische Wirtschaftspolitik im Sinne der Volkswirtschaftstheorie kaum möglich.

Kontinuierlich wachsende Staatsausgaben für Investitionen würden den Unternehmen eine bessere Planungssicherheit für ihre weitere Entwicklung geben. Schwankende Staatsausgaben verunsichern dagegen Wirtschaft und Konsumenten. Die hohe Steuerlastquote trägt dazu bei, dass ein sichtbarer Anschub der privaten Nachfrage bisher ausgeblieben ist. Während öffentliche Abgaben, Mieten, Energiekosten etc. weiter steigen, bleibt dem Bürger ein immer geringerer Eigenanteil über, der nach Ablauf der Fixkosten für freie Konsumentscheidungen zur Verfügung steht. Bei der sogenannten Liberaliserung des Strommarktes wurden dem Verbraucher Versprechungen gemacht, die nicht gehalten werden konnten. Auch der Staat muss dabei mithelfen, neues Vertrauen in die Wirtschaft herzustellen.
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